Die Wolke - Klassenlektüre der 7S1

Als Abschluss der Klassenlektüre "Die Wolke" von Gudrun Pausewang, schrieben die Schülerinnen und Schüler Aufsätze. Sie durften aus drei Themen auswählen. Hier ein paar Kostproben aus den Gedanken der Schülerinnen und Schüler.

 

Der Super-GAU von Grafenrheinfeld

Ari Funk

 

Gestern Vormittag ist ein Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld (Deutschland) explodiert. In fast ganz Deutschland herrschen Panik, Angst und Trauer. Panik vor der "Wolke", Angst, jemanden zu verlieren und Trauer um die Verstorbenen. Die Wolke bewegt sich langsam. In Gebieten, die nicht verseucht sind, gibt es viele Demonstrationen gegen Kernkraftwerke und die Regierung. Dass sich die Franzosen nun einmischten mit Äusserungen wie "Wir haben die besten Kernkraftwerke, uns würde das nie passieren", macht die Stimmung in Deutschland auch nicht besser. Demos an der Grenze zu Frankreich geraten dermassen ausser Kontrolle, dass teilweise sogar das französische Militär einschreiten muss. Insgesamt gab es über 200 Tote allein an den Demonstrationen, und die Zahlen steigen. [...] Die Städte rund um Grafenrheinfeld sind zu Geisterstädten geworden. Durch die Druckwelle der Explosion wurden Fenster zerschlagen und Häuser sind eingestürtzt. Die Regierung hat Suchtrupps losgeschickt, welche nach Überlebenden suchen. [...] Das grösste Problem ist, dass das Kernkraftwerk nicht aufhört, zu strahlen. In diesen Gebieten werden wohl mehrere Jahrzehnte keine Menschen mehr wohnen können. 

Die Zukunft des Atomstroms

Luca Lehmann

 

Ist es noch sinnvoll, mithilfe des Atomkraftwerks Strom zu produzieren? Schafft es die Menschheit, die Klimaerwärmung zu stoppen? Hat man die Atomkraftwerke wirklich im Griff?
Vielleicht sollten wir uns heute solche Fragen stellen. Ich glaube, es ist möglich, Atomkraftwerke abzuschaffen. Wenn man die natürliche Energie fördern würde, könnten wir es vielleicht schaffen. Die vielen Demos zum Umweltschutz, alle diese vielen Löcher in der Ozonschicht und die Menschheit macht nichts? 
Als im Buch das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld explodiert, ist den Menschen in der Umgebung nicht klar, welche Katastrophe auf die zukommt. Manche ahnen es wahrscheinlich, dass etwas ähnliches passiert ist wie damals in Tschernobyl. Alle versuchen zu fliehen, sie haben grosse Angst vor der Wolke, die stark radioaktiv ist. Diese Angst ist nicht unberechtigt. Wegen Verstrahlungen haben leider sehr viele Menschen und Tiere den Tod gefunden. 
Wenn nun noch eimal ein Super-Gau auftritt, wären die Menschen besser vorbereitet? Ich denke, die Menschheit würde wahrscheinlich ähnlich reagieren, wie im Buch, deshalb sollte man diese Atomkraftwerke abschaffen. Mit Windrädern, Solarzellen und Staumauern sollte man doch genug Strom machen können. Wäre die Menschheit bloss nicht so bequem, dass sie das Risiko auf sich nehmen, zu sterben. Eine grüne Welt voller Abenteuer und schöner, glücklicher und fröhlicher Augenblicke, so stelle ich mir eine schöne Zukunft vor. Wo man auch hinsieht, überall steigen Abgase auf von Fabriken, Autos oder Atomkraftwerken. Das ist für mich eine schreckliche Zukunft, aber auch andere fänden es bestimmt nicht toll. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Klimawandel zu bremsen, das Problem ist einfach, dass jeder etwas dafür tun müsste. Wenn es sich jeder leisten könnte, Solarzellen auf dem Dach zu haben, bräuchten wir keine umweltschädlichen Stromquellen mehr, aber so weit kommen wir wahrscheinlich nie. Im Buch wird nach einer Weile eine Suchkartei eröffnet. Was würde heute in der Schweiz in so einer Situation geschehen? Vielleicht würden zuerst alle Spitäler aufgerüstet werden, oder sämtliche Räumlichkeiten zu Not-Intensivstationen, doch dies wissen wir nicht. Wahrscheinlich könnte man Jahrzehnte überlegen, was passieren könnte, tausende Massnahmen beschliessen und alle möglichen Spitäler vorwarnen. Auch wenn das geschehen würde, müsste zuerst das Unglück eintreffen. Aber wer weiss, das Unglück kann morgen auftreten oder in 50 Jahren. Es bleibt das selbe Unglück. 
Darüber sollten wir uns nicht zu viele Sorgen machen. Viel lieber gehen wir mit viel Hoffnung in die Welt und verkünden revolutionäre Neuigkeiten. 

 

Elmars Tagebuch

Larissa Glauser

 

Ich sass mit der ganzen Klasse im Klassenzimmer, als die Katastrophe begann. An diesem Freitagmorgen wehte eine starke Bise. Die Schatten der Zweige zitterten auf dem Asphalt. Der Himmel war tiefblau. Plötzlich, mitten im Französisch-Unterricht, als Herr Benzig gerade etwas erklärte, heulten die Sirenen. Zuerst dachten wir, es ist ein Probealarm, doch als der Direktor allen verkündete, dass es einen ABC-Alarm gab und der Unterricht vorbei sei, gerieten alle in Panik. [...]

 

Lena Schwab

 

Liebes Tagebuch

Es tut mir Leid, dass ich schon so lange nicht mehr in dich rein geschrieben habe, doch es hat sich so Vieles verändert. Normalerweise würde ich mich über Veränderungen freuen, doch über das, was uns widerfahren ist, kann man sich nun wirklich nicht freuen. Als wir am Samstag weiter laufen wollten, erwischte uns ein heftiger Regen, der verstrahlt war. [...] Zum Glück können wir bei Bekannten für ein paar Wochen hausen. [...] Mein Vater ist nicht wieder zu erkennen. Der Mann, dem die Politik alles bedeutete, ist nun ihr wohl grösster Feind. Und ich? Ich weiss selber nicht mehr wirklich, wer ich bin und was mir Spass macht. Bevor wir fliehen mussten, konnte niemand meinen Wissensdurst stillen, doch nun kann ich mich kaum aufrappeln, ein Buch in die Hand zu nehmen.

Und sie begann zu sprechen

Emily Heidi Otti

 

Janna-Berta zog die Mütze aus und liess den Anblick ihres kahlen Kopfes einmal einige Sekunden auf die plötzlich verstummten Grosseltern wirken. Janna-Berta holte tief Luft und begann mit den Worten "Und ich?" zu sprechen. 
Sie liess die Grosseltern gar nicht erst zu Wort kommen und sprach gleich weiter: "Als Uli und ich flohen, passierte ein Unfall. Uli wurde überfahren. Auch Mutti, Vati und Kai konnten der Katastrophe nicht entkommen und kamen ums Leben. Helga hat euch belogen, damit ihr euch keine Sorgen macht, aber ich will, dass ihr Bescheid wisst." Während sich Oma-Berta's Augen mit Tränen füllten, stand Opa Hans-Georg auf und kam langsam auf Janna-Berta zu. Auf halbem Weg zu Janna-Berta, kippte er einfach um. Janna-Berta sprang auf und fühlte auf seiner Brust, wie jeder Herzschlag langsamer und langsamer wurde und plötzlich stillstand. 
Janna-Berta blickte zu Oma, die immer noch völlig entgeistert auf ihrem Stuhl sass und zu Opa auf den Boden schaute. Als Janna-Berta sich ihr näherte, merkte sie, dass auch bei ihr kein Schlag mehr zu spüren war. Sie schleppte die beiden hoch ins Elternzimmer, legte sie aufs Bett und schloss die Tür. Sie schnappte sich ihre Mütze und verliess das Haus. Bei der nächsten Telefonstelle rief sie mit dem letzten Kleingeld, das sie noch hatte, bei Almut an. 

Als jemand den Hörer abnahm, hörte sie eine leise Mädchenstimme. Es war Irmela, Almuts Tochter. Janna-Berta fragte nach Almut. Irmela antwortete, dass sie gerade an einer Demonstration in Berlin sei. Da beschloss Janna-Berta nach Berlin zu reisen. Während der ganzen Fahrt trug sie keine Mütze und musste sich dadurch viele dunkle Blicke ansehen und doofe Sprüche anhören. Doch es gab auch viele Menschen, die das selbe Schicksal hatten und Janna-Berta voll und ganz verstanden.

Auf halber Strecke stiess sie auf eine Gruppe gleichaltriger Mädchen, die offensichtlich auch Hibakushas waren. Janna-Berta setzte sich zu ihnen und sie begannen, miteinander zu sprechen. Sie fand heraus, dass sie auch nach Berlin wollten. Die Fahrt nach Berlin verlief ab diesem Zeitpunkt sehr gut. Niemand der Aussenstehenden traute sich, etwas zu sagen und sie hielten sich fern. Janna kaufte sich Mikros und fing an zu demonstrieren. Während sie schreiend durch die Strassen lief und immer mehr Menschen mit ihren emotionalen Reden fesselte, traf sie auf einige Polizisten, welche sie aber einfach übersahen. 
Tagelang schlenderten sie so durch Deutschland. Auch im Radio und im Fernsehen waren sie zu sehen. Man sprach dabei von den "kahlen Köpfen". Janna-Bertas Ziel war es, nach Grafenrheinfeld zu gehen und alle Namen der Hibakushas auf die Überreste des Atomkraftwerkes zu sprühen. Als ihr Werk vollendet war, zündete sie es an und begann, um das Feuer zu tanzen und zu singen. 50 Jahre später waren alle Hibakushas, die je gelebt haben, verstorben, aber das Feuer brannte noch immer.