Vive le français - classe verte à Evolène

 

Seit 10 Jahren bin ich oft in Frankreich, es ist ein wenig meine zweite Heimat. Die Sprache gefällt mir unglaublich gut und immer wieder fühle ich mich inspiriert von den Dingen, die ich dort erlebe. Einmal ist es ein stilles Dorf in der Bretagne, einmal eine Reise in den Norden, wo die Ch’tis wohnen, einmal das wilde, pulsierende Leben in Paris...

Und wie gerne würde ich meine Begeisterung für die Sprache meinen Schülerinnen und Schülern weitergeben. Viele arbeiten in den Stunden gut mit, aber ich weiss sehr genau, dass das Franz nicht wirklich für alle das Lieblingsfach ist. Irgendwie schade, aber ich verstehe das auch!

Wenn ich jeweils eine 8. Klasse habe, organisiere ich eine Landschulwoche in Evolène, einem kleinen Dort im französischen Wallis. Ich erhoffe mir, dass der Kontakt mit der Bevölkerung und die organisierten Begegnungen bei meinen Schülern und Schülerinnen die Sprache anders lebendig und werden lassen als wenn wir so gewöhnlich in der Schulstube arbeiten.

Dieses Jahr hatte ich beim Planen der Landschulwoche die Idee, etwas ganz Neues zu erfinden. Nur was?

 

In den Sommerferien fuhr ich nach Evolène und suchte, suchte, suchte... Langsam entstand die Idee: Ich könnte Arbeitsplätze suchen, an denen all meine Schülerinnen und Schüler einen Tag lang arbeiten und somit auf eine ganz neue Art in die Sprache „eintauchen“ könnten. Die 8. Klasse ist eh die Zeit der Berufswahl und der Praktika. Ich ging also von Laden zu Laden, von Hotel zu Hotel, von Restaurant zu Restaurant, brachte mein Anliegen vor und überall bekam ich eine Zusage.

Nur: Wie würde meine Klasse reagieren, wenn ich das erzähle? Eine Lektion lang Französisch ist für einige schon ziemlich anstrengend, und erst ein ganzer Tag irgendwo in einem Laden oder Restaurant?

Ich versuchte, meine Klasse behutsam mit meinen Plänen zu konfrontieren: Wir spielten in den Französischstunden viele

Situationen durch (Laden, Restaurant....) und so konnten alle feststellen, wie gut sie das doch bereits machten. Von den Eltern erlebte ich am Elternabend viel Unterstützung, als ich mein Vorhaben darlegte und nun war es natürlich der Moment, mit der Klasse alles zu besprechen.

Der Donnerstag der Landschulwoche war dann der grosse Tag. Einige hatten im Voraus schon ein etwas mulmiges Gefühl, was sehr verständlich war. Viele zogen sich noch extra chic an und machten sich dann auf den Weg. Für mich selber war dieser Tag irgendwie sehr feierlich und ich versuchte die Jugendlichen zu ermutigen und zu stärken. Eine grosse Hilfe war dabei auch meine Co-Leiterin, Frau Michèle Baechtold. Als Westschweizerin hat sie mitgeholfen, dass die Umgangssprache im Lager meist französisch war. Somit waren alle optimal vorbereitet.

Alle waren im Einsatz. In drei Restaurants arbeiteten zwei der Jugendlichen, alle anderen waren allein in „ihrem“ Betrieb.

Alle hatten verschiedene Arbeitszeiten, einige kamen am Mittag heim und wer in einem Restaurant arbeitete, konnte dort essen. Ich selber war immer wieder unterwegs, besuchte da und dort jemanden, wollte aber auch nicht zu sehr präsent sein, damit sich die Jugendlichen nicht kontrolliert fühlten. Und was passierte? Wo ich hinkam, regnete es Komplimente, die ich den Jugendlichen noch so gerne sofort ausrichtete. Offensichtlich machten sie es sehr, sehr gut! Sie packten an, arbeiteten in einer Hotelküche, bedienten Kunden oder halfen im Verkauf mit... Und sicher erlebten sie dabei jede Menge spannender Dinge. Mit Recht dürfen sie glücklich und auch stolz sein auf das, was sie geleistet haben ..... und das alles auf Französisch!

Simone Reich

 

Hier sind noch ein paar Berichte aus der Klasse:

 

 Am Montag war es wieder soweit, die Klasse und ich gingen in unsere letzte Landschulwoche. Wir wohnten in einem bescheidenen Häuschen, das aber alles hatte, was man so brauchte. Es hatte auch eine grosse Wiese, auf der man spielen konnte. Unser Ziel war in dieser Woche möglichst viel Französisch zu lernen. Diese Chance bekamen wir auch am Donnerstag. Wir alle konnten ein Praktikum machen. Ich selber fand das auch das Highlight der Woche. Am Morgen des Praktikumstages hatte ich so ein mulmiges Gefühl, dass ich fast nichts essen konnte beim Frühstück. Der Patron der Pizzeria war ein netter, höflicher Mann, der mich sofort einweihte. Ich hatte das Gefühl, dass ich schon nach der ersten Minute zu seiner Equipe gehörte. Sogar in der Küche und im Service konnte ich arbeiten. In der Küche musste ich den Pizzateig machen und im Service musste ich die Tische abräumen und die Getränke- bestellungen ausführen. Obwohl es manchmal Leute hatte, die ihren Dialekt sprachen, musste ich nach einiger Zeit die Wörter im Kopf gar nicht mehr übersetzen und es ging von alleine. Der Patron hat mir angeboten, dass ich in den Sommerferien zu ihm arbeiten kommen dürfe, wenn ich wolle. Am Schluss des Tages hat er mich noch nach Hause chauffiert. Es war ein spezieller Tag und ich bin ein bisschen stolz auf mich selber.

Sandro Kocher

 

 

Ich war nie ein grosser Freund von Lagern, weil mir in meinem ersten Skilager dauerschlecht war. Jedoch war dieses Lager ganz anders und machte mir sogar Spass. Anfangs war ich etwas besorgt wegen dem Donnerstag, dem Tag, an dem jeder von uns

in einem französischsprachigen Betrieb arbeiten würde. Ich machte mir viel (zu viel) Gedanken darüber, ob ich mich wohl verständigen könnte und wer meine Chefs sein würden. Am Donnerstag arbeitete ich dann in einem kleinen, familiären Hotel

und es wurde der beste Tag der ganzen Woche. Ich konnte mich ziemlich gut verständigen und auch die Chefs waren sehr nett. Sie nahmen sich viel Zeit um mir das ganze Hotel zu zeigen und erklärten mir jede einzelne Arbeit dort (natürlich auf Franzö- sisch). Die Stimmung im Lager war meistens heiter, nur manchmal am Abend, wenn alle langsam müde und ungeduldig wurden, gab es etwas Streit. Insgesamt war diese Woche eines meiner besten Lager, wenn nicht das beste.

Benny Sutter.

 

 

Mein Tag im Café wird mir in guter Erinnerung bleiben. Ich durfte während 6 Stunden im „Le Central“ arbeiten. Ich bediente, die Kasse, konnte den Gästen die Getränke servieren und musste in der Küche abwaschen. Es gab mir in kurzer Zeit einen guten Gesamteindruck über die „Café-Arbeiten“. Es war sehr abwechslungsreich und ich danke den Besitzern, dass ich reinschnuppern durfte.

Fabian Kleist

 

 

In unserer Landschulwoche haben wir viel erlebt. Der erste Höhepunkt fand am Dienstag statt. Wir mussten schon früh aufstehen, da an diesem Tag unsere Schulreise stattfand. Wir fuhren zuerst mit dem Postauto ein Stück. Später wanderten wir auf einem Wanderweg etwa eine Stunde bergauf. Der Weg führte zu einer Kirche. Es ist keine normale Kirche, erklärte uns ein Herr, denn die eigentliche Kirche und mehrere andere

Gebäude wurden abgerissen und in einem Gebäude zusammen- gebaut. Im späteren Nachmittag bekamen wir noch eine Führung durch die Staumauer „Grande Dixence“.

Das zweite Highlight war der Donnerstag. An diesem Tag

arbeiteten alle der Klasse in einem Betrieb. Der Zweck der Woche war das Verstehen und Sprechen von Französisch. Ich hatte einen Platz in einem Restaurant. Ich konnte sehr abwechs- lungsreiche Jobs erledigen von Laubrechen bis Servieren. Am besten gefiel mir der Nachmittag. Ich konnte in einer Bar die Bestellungen aufnehmen und die Getränke vorbereiten. Am Donnerstagabend war ich dann ziemlich erschöpft. Doch obwohl die Arbeit recht anstrengend war, hat es mir Spass bereitet und ich denke, dass die Angestellten des Restaurants meine Hilfe gebrauchen konnten.

Nino Lutz

 

 

Als ich am Donnerstagmorgen von Frau Reich geweckt wurde, wusste ich sofort, dass es der Tag der Arbeit war. Steffi und ich mussten schon um 8 Uhr an unserem Arbeitsort sein, denn wir arbeiteten beide in einer Bäckerei. Der Zeiger sprang auf 7.45 Uhr. Gemeinsam liefen wir los. Mein Tee Room hiess „Les Raccards“ und befand sich am Anfang des Dorfes. Das Tea Room kam immer näher. Die Spannung in mir stieg. Der Moment kam und ich machte die Tür auf. Jeder Tisch war belegt und nur eine Angestellte befand sich im Tea Room. Ich konnte sicher gebraucht werden. Doch zuerst beachtete man mich kaum. Ich sprach die Frau dann an und sagte: „Bonjour Madame, je travaille aujourd’hui avec vous.“ Sie sagte: „Ah, oui, attends un moment.“ Dann endlich weihte sie mich ins Geschehen ein. Ich konnte Bestellungen aufnehmen, die Tische abräumen, sogar die Kasse liess man mich machen. Die Zeit ging wie im Flug vorbei. Etwa um 11 Uhr war nicht mehr so viel los im kleinen Tea Room. Die Madame fragte, ob ich Hunger hätte. Klar! „Mais oui“, antwortete ich. Ich konnte mich in der Bäckerei bedienen. Vielleicht habe ich ein bisschen übertrieben. Ich ass Gipfeli’s, einige Spitzbuben und ein pain au chocolat. Ich war so satt, dass ich am Mittag keinen Hunger mehr hatte. Das war für mich ein schöner, anstrengender, französischer, glücklicher, erlebnisreicher Tag.

Marius Flück

 

 

Die Landschulwoche war dieses Jahr sehr speziell, denn wir durften einen Tag in einem Betrieb in Evolène oder Les Haudères arbeiten gehen. Das Spezielle daran war, dass wir in französischsprachige Betriebe arbeiten gingen. Zwischen 8 Uhr und 10.30 Uhr ging es los und wir starteten in die französische Arbeitswelt. Ob Kindergärtnerin, garçon in einem Restaurant oder Bäcker, viele verschiedene Berufe durften alle 17 Schüler ausüben. Der Beruf wurde ausgelost aus den drei Wunschbe- rufen. Mein Beruf war Verkäufer in einem Sportgeschäft. Leider hatte es nicht so viele Kunden, da gerade nicht Saison war, doch das Französisch konnte ich sehr viel gebrauchen um mit meiner Chefin zu sprechen. Es war für die meisten der schönste Tag der Landschulwoche und ich hoffe, dass die Schnuppertage vom 7/8/17/18 November auch so toll werden. (Diese werden dann im deutschsprachigen Gebiet sein.)

Joao Kocher

 

 

Wie bisher jeden Tag liess sich bereits früh morgens bei Dämmerung erkennen, dass das Wetter wieder perfekt mitspielen würde. Eigentlich hätten wir ja nicht alle zur selben Zeit aufstehen müssen, da wir in verschiedenen Betrieben arbeiten gingen, doch war es beinahe unmöglich weiterzu- schlafen, nachdem eine von uns erst einmal wach war. Nun, vielleicht hatte das auch an den speziellen Umständen dieses Tages gelegen. Um halb neun machten Brhan, Fabian und ich uns auf ins Dorf, auf keinen Fall wollten wir unseren „stage“ mit einer Verspätung beginnen. Mit eiskalten Händen standen Brhan und ich eine Viertelstunde später vor dem schmucken kleinen Restaurant „Le Refuge“. Die Zuflucht? Genau. Im Inneren empfingen uns wohltuende Wärme und ein herzlicher Händedruck der Patronne. Irgendwie war ich trotzdem froh, Brhan in der Nähe zu haben, das gab mir ein bisschen Sicherheit. Zumindest für einen Moment. Denn wie sich herausstellte, achteten alle im Restaurant darauf, dass wir uns möglichst selten begegneten. Verständlich, wenn man bedenkt, dass wir ja unser Französisch anwenden sollten. Die Ange- stellten, welche uns unter ihre Fittiche nahmen, waren auf jeden Fall genauso hilfsbereit und gut gelaunt, wie wir gehofft hatten. Und das Sprechen? Nach drei Tagen Evolène hatten wir bereits gemerkt, dass Fehler ok, eigentlich ganz natürlich sind und deshalb fühlte ich mich nicht besonders gehemmt. Wir führten die Anweisungen der Patronne aus, unterhielten uns mit den Kellnerinnen und durften die wenigen Gäste, die morgens kamen, bedienen. Und als am Mittag die vielen Gäste zum Essen kamen, war ich bereits recht routiniert und freute mich auf jedes noch so kleine Gespräch. Um drei Uhr sassen Brhan und ich auf der sonnenbeschienenen Terrasse und assen Eis. Von der Patronne offeriert. Und während wir so die Berge betrachteten, fühlte ich mich einfach glücklich. Und zufrieden.

Larissa Lee.