Kurzinterview mit Ursula Scheurer
Du hast 1966 als frisch patentierte Lehrerin in Büren angefangen. Wie war das damals in der Schule?
Im Moment stecke ich ja noch mitten in der Arbeit mit meiner 1. Klasse, und es fällt mir nicht leicht, so weit zurückzuschauen... Trotzdem:
Alles war überschaubarer. Wir waren viel weniger Lehrkräfte, pro Klasse unterrichtete ein Lehrer oder eine Lehrerin, dazu kamen noch eine Werklehrkraft und eine Hauswirtschaftslehrerin; insgesamt unterrichteten also etwa 20 Personen an der Schule Büren, nicht über 40 wie heute.
Die Infrastruktur war viel einfacher. Es gab keine Spezialräume und die Turnhalle (heutige Mehrzweckhalle) wurde mit einem kleinen Holzofen geheizt. Die Klassen waren um einiges grösser, ich unterrichtete einmal 36 Schülerinnen und Schüler. Kopierer und Computer kannten wir nicht – einzig ein „Umdruckapparat“ war vorhanden.
Unser Unterrichtspensum war höher als heute und wir verdienten nur sehr wenig (1200.- im Monat).
Wenn du zurückschaust – was sind die grössten Veränderungen in der Schule / im Unterricht von heute im Vergleich zu früher?
Die heutigen Kinder haben mehr Möglichkeiten als früher (viel Freizeit, Fernsehen, Computer). Dadurch ist die Schule nicht mehr der einzige Ort, wo man etwas lernen kann. Vielleicht sind die Kinder aber gerade deshalb zum Teil ablenkbarer und zerstreuter geworden.
Die Zusammenarbeit im Kollegium ist heute viel selbstverständlicher und die Weiterbildung wesentlich professioneller.
Würdest du den Beruf Lehrerin nochmals ergreifen? Warum?
Ja – da bin ich mir ganz sicher, obwohl ich mich in der Zeit der Berufswahl auch für anderes interessiert habe.
Ich lieb(t)e meinen Beruf, den Kontakt mit den verschiedensten Menschen, die Lebendigkeit, die Kreativität, das Spontane, die Ehrlichkeit und das Feedback der Kinder. Ich schätz(t)e die Selbständigkeit, Freiheit, Eigenverantwortung für den Unterricht und die Klasse. Auch die Teamarbeit war mir ein grosses Anliegen.
Was war und ist dir als Lehrerin besonders wichtig?
Im Zentrum steht immer das Wohl des Kindes. Ich hoffe, dass ich als Lehrkraft etwas bewirken und etwas Wichtiges für die Zukunft anlegen kann. Die Kinder, die in der Schule etwas Mühe hatten, lagen mir immer besonders am Herzen.
Mir sind ein gutes Klassenklima und Solidarität unter den Kindern sehr wichtig. Zudem ist es schön, wenn man sieht, dass sie Freude am Leben und Lernen haben und staunen können.
Was wirst du nach deiner Pensionierung speziell vermissen?
Vieles! Ich schätze es, jeden Tag herausgefordert zu werden, nie genau zu wissen, wie sich ein Morgen oder ein Tag entwickeln wird, da Kinder für manche Überraschung gut sind.
Besonders fehlen werden mir sicher die vielen Kontakte, die jetzt noch selbstverständlich sind. Im Moment kann ich mir gar nicht vorstellen, wie ich mich ohne berufliche Aufgabe fühlen werde.
Worauf freust du dich besonders?
Leben ohne schulischen Stundenplan, ohne genaue zeitliche Verpflichtungen, das tönt verlockend.
Ich habe auch vor, meine Interessen zu vertiefen und Neues auszuprobieren (Spanisch lernen!). Auch werde ich sicher mehr Zeit für die Familie und meinen Freundeskreis haben. Ich bin auch bereit, etwas zu entdecken, von dem ich im Moment noch gar nichts weiss.
All denen, die mich auf diesem langen Weg begleitet haben,
• den vielen Eltern,
• den unzähligen Kindern
• und nicht zuletzt dem Kollegium, der Schulleitung und der Schulkommission,
möchte ich ganz, ganz herzlich für das Wohlwollen und die wertvollen Begegnungen danken!
Liebe Ursula, herzlichen Dank für deine Antworten und alles Liebe und Gute für die Zukunft!
Peter Hachen